Das Bienenvolk - Wilhelm Steiner

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Das Bienenvolk

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Der "Gesamtorganismus Bienenvolk", von alten Bienenforschern als "Der Bien" bezeichnet, wird durch ein sinnvolles System der Arbeitsteilung, mit einem komplizierten Zusammenspiel von Verständigungsmöglichkeiten mechanischer, chemischer und optischer Signale von höchhster Vollendung gesteuert. Die Einordnung in das Gefüge des Bienenstaates ist bei den Bienen durch Geburt, den Körperbau, die stufenweisen körperlichen Befähigungen und die natürlich angeborenen Verhaltensweisen gegeben.

Die drei im Bienenvolk vorhandenen Bienenwesen:

Die Königin ist das einzige voll entwickelte funktionsfähige Geschlechtsweibchen im Bienenvolk. Wenn die Made aus einem besamten Ei am 4. Tag schlüpft und von den Ammenbienen mit hochwertigen Drüsensekreten (Weiselfuttersaft = Gelee Royale) gefüttert wird, dann schlüpft am 16. Tag aus einer Weiselzelle eine Königin. Diese hat eine Lebensdauer von 3 - 4 Jahren. Ab dem 6. Tag nach dem Schlüpfen fliegt sie mehrfach aus und wird von 10 - 12 Drohnen begattet. Ungefähr 80 Millionen Samenfäden werden in der Samenblase der Königin gelagert und jeweils bei der Eiablage, wenn eine Biene oder Königin entstehen soll, im Eileiter zum Ei gegeeben. In der Hauptlegezeit Mai und Juni legt die Königin je nach Volksstärke und Futterangebot bis 2.000 Eier pro Tag, das ist ihr 2 bis 3 -faches Körpergewicht. Der Brutbereich des Wabennbaues wird von den Bienen durch Wärmen oder Kühlen auf 35 Grad Celsius gehalten. Die Königin erzeugt zur Lenkung des Bienenstaates in verschiedenen Drüsen Duft- und Geschmacksstoffe (Pheromone). Die Arbeiterinnen geben diese Drüsensekrete beim Futteraustausch weiter. Fehlen diese Pheromone, oder sind sie zu schwach, dann werden neue Weiselzellen gezogen. Der Zusammenhalt des Volksganzen ist gestört, oder das Bienenvolk kann sich eindringender fremder Bienen nicht mehr wehren.

In der Königin ist das gesamte wertvolle genetische Erbgut eines Bienenvolkes vorhanden. Dadurch kann man dem Bienenvolk jene Eigenschaften aufprägen, die der Imker durch Auslese und gezielte Königinnenzucht zu erreichen versucht.

Die Biene geht aus einem von der Königin gelegten, besamten Ei hervor. Entwicklungsdauer 21 Tage, Höchstalter im Sommer 4 - 7 Wochen (bedingt durch die verschiedenen Arbeiten werden die Fett- und Eiweißreserven rasch abgebaut und die Lebenserwartung daduch verkürzt), im Winter ca. 6 Monate. Die im August erbrüteten Bienen leben oft bis Mai. Ihre Anzahl im Bienenvolk beträgt im Winter 10.000 bis 20.000, im Sommer 40.000 bis 100.000. Bekommt die Made nur gewöhnlichen Futtersaft, dann entsteht eine Biene mit verkümmerten Geschlechtsorganen und ist dadurch nicht fortpflanzungsfähig. Sie kann vom Drohn keine Samenfäden aufnehmen. Bedingt durch die Mehrfachbegattung der Königin, sind in einem Bienenvolk zur gleichen Zeit etwa 10 - 12 Halbgeschwistergruppen an der Arbeit. Sämtliche Arbeiten im Bienenvolk werden von den verkümmerten Weibchen, den sogenannten Arbeiterinnen geleistet.

Zunächst fallen für sie die Innendienste im Stock an: 1-2 Tage Zellenputzen und Stockwärmen, dann die jungen und danach die älteren Maden füttern. Wenn sie bei ihrer Nahrungsaufnahme genug Pollen aufgenommen haben, beginnen sie, wenn erforderlich, mit dem Bau der Waben und bewachen das Flugloch. Ab der 3. Lebenswoche wird sie zur Trachtbiene und sammelt im Außendienst von den Blüten und Bäumen Nektar, Pollen und Kittharz. Kurz vor dem Lebensende sammelt sie Wasser.

Die angeborenen Eigenschaften befähigen die Biene zur Vorratssammlerin und Bestäuberin vieler Wild- und Kulturpflanzen. Die Nahrungsaufnahme aus Blütenröhren wird mit Hilfe der etwa 7 mm langen Zunge bewerkstelligt. Die in der Speiseröhre als dehnbarer Sack eingebaute Honigblase kann 20 - 30 mg Nektar aufnehmen.

Pollenkörner werden vom stark behaarten Körper im Blütenkelch übertragen und dadurch die Pflanze befruchtet. Pollen wird durch den hochspezialisierten Pollensammelapparat für die Brutnahrung in den Bienenstock gebracht, und dort in den Zellen gelagert. Diese Lagerverhaltensweise führt zur Vorratswirtschaft. Von dieser profitiert der Imker, indem er den Bienen den Honig, der im Winter kandieren würde, wegnimmt und dafür Zuckerlösung, die nicht fest wird, als Winterfutter verabreicht.

Die Spurbienen haben einen ausgezeichneten Orientierungssinn und können sich Richtung, Duft und Farbe von guten Nektar- und Pollenquellen merken, und diese im finsteren Stockinnneren den Sammelbienen mit Hilfe des sogenannten Rund- und Schwänzeltanzes mitteilen. Dieser gibt Entfernung, Richtung zur Sonne (auch wenn sie für unser Auge nicht sichtbar ist = polarisiertes Licht) und den Duft der Trachtpflanzen bekannt. Die Tänze werden durch verrschiedene Scharrlaute begleitet und dadurch nützen die Sammelbienen in weiterer Folge dieselben Trachtquellen aus.

Der Drohn hat eine Entwicklungsdauer von 24 Tagen und ein Höchstalter von 3- 5 Monaten. Er ist das männliche Geschlechtstier im Volk und entsteht aus einem unbesamten Ei. Der Drohn ist genetisch gesehen der Bruder seiner Mutter. Eigentlich ist der Vater der Königin, die das unbesamte Ei gelegt hat, gleichzeitig auch der Vater des Drohns. Das Ei aus dem er entsteht hat statt 32 Chromosomen nur 16. Der Drohn hat keine Honigblase und keinen Stachelapparat. Er dient nur zur Paarung mit jungen Königinnen, wobei ein Teil des Geschlechtsapparates bei der Königin bleibt und er dadurch zugrunde geht. In Notzeiten und am Sommerende werden die Drohnen von den Bienen vertrieben.

 
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